Klosterkirche Hirschhorn – seit 1406

Wie Kirche und Kloster die Geschichte überlebten

Klosterkiche Hirschhorn mit Blick auf die Neckarschleife
Chor mit Altar
Epitaph Melchior von Hirschhorn und Kunigunde von Oberstein
Blick in die Klosterkirche
Wendeltreppe zur Orgel
Klosterkirche mit Anna-Kapelle
Eines von vielen Fresken
Decken-Netzgewölbe
Die Orgel seit 1955 vor Ort

Die Klosterkirche Hirschhorn ist ein echtes kunsthistorisches, spätgotisches Kleinod im Neckartal mit Sitz direkt unterhalb der Burg Hirschhorn. Gestiftet wurden die Kirche und das dazugehörige Kloster im Jahr 1406 von Ritter Hans V. von Hirschhorn, seiner zweiten Frau Iland von Dhaun und seinen Brüdern Conrad und Eberhard. Conrad von Hirschhorn war zu dieser Zeit Domherr in Mainz bzw. Speyer und, so vermutet man, die treibende Kraft hinter der Klostergründung. Ritter Hans V. bestimmte, dass auch seine Nachkommen vor Antritt ihrer Herrschaft sich schriftlich per Eid zu verpflichten, das Kloster und seine Personen zu schützen.

1511 wurde an der Südseite des Langhauses der Kirche ein Anbau ergänzt, der 1515 zur St.-Anna-Kapelle ausgestaltet wurde.

Ab 1522 begann für das Kloster und die Karmelitermönche eine bewegte Geschichte. Als Ritter Phillip II. stirbt, war er der letzte Angehörige des katholischen Glaubens.  Seine Brüder Hans und Engelhardt III. von Hirschhorn führten in Hirschhorn und in den ihnen unterstellten Orten die Reformation ein. Zwischen 1522 und 1529 beriefen sie einen protestantischen Pfarrer an die Kirche. Im Jahr 1530 nahm Kaiser Karl V. den Orden  der Karmeliter unter seinen besonderen Schutz.

Obwohl der Besitz dem Orden zugesprochen wurde, demonstrierten die Herren von Hirschhorn immer wieder ihren Besitzanspruch. Hans IX. von Hirschhorn löste nach 1543 das Kloster auf, ließ das Kloster durchsuchen und beschlagnahmt alle beweglichen Güter.

Nach dem Sieg Karls V. über die protestantischen Fürsten schwindet deren Einfluss und es kommt zu einem allgemeinen Konzil. Hans IX. schließt einen Vertrag mit dem Provinzial der Karmeliter, das Kloster wird von beiden Konfessionen genutzt. Das Jahr 1548 gilt als das Jahr des legalisierten Einzugs der Protestanten in die Klosterkirche. Fortan wird sie als Pfarrkirche genutzt und löst die Kirche in Ersheim in dieser Funktion ab.

In den Folgejahren kommt es zu einem Kräftemessen zwischen Hans IX. und dem Kaiser. Statt das Kloster auf Geheiß des Kaisers herauszugeben, bekräftigte Hans IX. seinen Besitzanspruch. Das Kloster wurde Sitz seiner Witwe Anna, geb. Göler von Ravensburg. Sie ließ 1583 in die Annakapelle eine Familiengruft einbauen. Das übrigens erklärt die Stufen, die man heute noch zur Annakapelle hochsteigt.

Nach dem Sieg der kaiserlichen Truppen über die des Kurfürsten Friedrich V. und zugleich Anführer der protestantischen Union war auch die Position der Hirschhorner Ritter geschwächt. In 1629 musste Friedrich III. das Kloster und die Klosterkirche schließlich dem Karmeliterorden zurückgeben.  Als Hirschhorn 1632 an Kurmainz zurückfiel, wurde von da aus die Restitution der Anlage  vorangetrieben.

1632 stirbt Ritter Friedrich als der letzte Ritter von Hirschhorn und der Kurfürst von Mainz übernimmt das Lehen und die Karmlitermönche kehren in das Kloster zurück.

Von 1636 bis 1732 diente die Klosterkirche als katholische Pfarrkirche der Stadt Hirschhorn. In 1689 wurde ein neuer Hochaltar errichtet, der etwa 100 Jahre später durch  einen barocken Hochaltar des Heidelberger Bildhauers Johann Michael Düchert ersetzt wurde.

Nachdem Hirschhorn in den Besitz des protestant- ischen Landgrafen von Hessen-Darmstadt gelangte, wurde 1803 wurde das Karmelitenkloster erneut aufgelöst, die Kirche wurde geschlossen und man erwog sogar ihren Abriss. Die Rettung kam, als 1812 Großherzog Ludwig I. die Kirche der Stadt Hirschhorn schenkte. Die Hirschhorner beschlossen, die Kirche zu erhalten und zu renovieren.

In 1886 machte man die notdürftig instand gesetzte Kirche der katholischen Kirchengemeinde zum Geschenk und im Anschluss wurde endlich eine umfassende Renovierung in die Wege geleitet.

Die historischen Wandgemälde wurden 1912 etwas aufgefrischt. 1969/70 wurden Teile der Decke  renoviert und mehr an den ursprünglichen Bauzustand angepasst. Von 1998 an fand eine abermalige Renovierung statt.

Seit 1996 engagiert sich der Förderverein Klosterkirche e. V. für ihren kunsthistorischen Erhalt.

Seit 2009 leben wieder Karmelitermönche im Kloster.

Viel Beachtung finden die seit einigen Jahren regelmäßig stattfindenden Klosterkonzerte, „AusKlang-Konzerte“ und „Karmelabende„.

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